2018/10/18

Noa und Gedanken zum nachhaltigen Nähen

BY kleineSchneiderin IN , , , , , , , 5 comments

Das Schnittmuster zum Kleid "Noa" wurde mir von Kreativlabor Berlin, der Stoff von Siebenblau im Rahmen der Kooperation zur Aktion nachhaltig Nähen kostenlos zur Verfügung gestellt.

Hallo Ihr Lieben, 

ich bin aus allen Wolken gefallen, im positiven Sinne versteht sich!, als ich vor knapp drei Wochen in mein E-mail Postfach geschaut und dort die Anfrage von Julia von Kreativlabor Berlin entdeckt habe, ob ich an einer Kooperation mit ihr und Siebenblau zum nachhaltigen Nähen interessiert sei. Na und ob! Ich bin tatsächlich im Dreieck gehüpft vor Freude, ist es doch eine tolle Bestätigung für meine Arbeit. 

Julia hat mir eine Auswahl von Schnittmustern angeboten. Zunächst liebäugelte ich damit erneut eine Luna zu nähen. Ich mag dieses Schnittmuster sehr, das mit dem Kragen und dem unten angesetzten Stoffteil verspielt und retro zugleich daher kommt. Doch letztendlich siegte die Neugier: ich wollte mich an etwas Neuem versuchen und wählte das Kleid Noa aus. 



Noa zeichnet sich besonders durch die dreieckige Passe im Vorderteil aus. Das Kleid wird in der Taille durch einen Kordelzug gerafft und lässt sich so optimal an die Figur anpassen. Man kann das Kleid mit oder ohne seitliche Eingrifftaschen nähen und hier z. B. durch eine andere Stoffwahl Akzente setzen. Der Halsausschnitt wird mit einem Bündchen versäubert. Auch bei den Ärmeln und beim unteren Rocksaum kann man ein Bündchen ansetzen oder länger zuschneiden, die Schnittlinien sind im Schnittmuster entsprechend gekennzeichnet, und einfach umnähen.


Hier die richtige Stoffwahl zu treffen, finde ich entscheidend, damit das Kleid mit der Passe ein harmonisches Bild abgibt.


Die erste Herausforderung bestand für mich darin, mich innerhalb eines Tages für die Stoffe zu entscheiden. Uff, das war verdammt wenig Zeit, aber wir hatten einen vorgegebenen Zeitplan. Also hab ich erstmal fleißig gedruckt, geklebt, geschnitten und die einzelnen Schnittteile vermessen, um den Stoffverbrauch zu ermitteln.

Mir schwebte ein schönes herbstliches Kleid in warmen Farbtönen vor. Und ich wollte mich etwas trauen und unterschiedliche Stoffe miteinander kombinieren, lud das Schnittmuster ja förmlich dazu ein. Doch wer die Wahl hat...


Beim Stoffe-Stöbern bei Siebenblau kristallisierten sich für mich ein paar besonders schöne Stoffe heraus und die Idee von meinem Kleid reifte immer mehr :-) Mir war ganz schnell klar, dass ich an dem Hanfjersey in dem wunderschönen Lorbeergrün nicht vorbei konnte. Auf den ersten Blick verliebte ich mich ebenso in den cremefarbenen Ajourjersey. Das gleiche Grün wie das für den Rockteil angedachte Lorbeergrün fand ich wieder in dem Jersey mit Schmetterlingsmotiv, sodass ich diesen Stoff sicher als Highlight für die Eingrifftaschen festlegte. Für den Bündchenstoff wollte ich das rotbraun der Schmetterlingsflügel aufgreifen.






Lange unschlüssig war ich mir darüber, wie die Stoffaufteilung für das Oberteil konkret aussehen sollte: Schmetterlinge nur in der Passe oder auch die Ärmel aus diesem Stoff? So wäre der Übergang zum rostbraunem Bündchen perfekt. Aber der Ajourjersey nur für die Passe? Das erschien mir schließlich zu wenig für den schönen Stoff. Und der dezente Einsatz der Schmetterlinge erschien mir stimmiger. Die Entscheidung ob an den Ärmeln cremefarbenes oder rostbraunes Bündchen, ließ ich mir für den Schluss. Denn auch cremefarbenen hatte ich für den Halsauschnitt geordert. Überraschenderweise habe ich den Übergang vom Creme des Ajourjersey zum Rostbraun der Ärmel gar nicht als zu hart empfunden. Damit stand die Entscheidung. Vorab entschied ich mich übrigens ganz schnell gegen ein angesetztes Saumbündchen. An Kleidern mag ich das nicht. So jetzt hab ich euch genug an meinem Gedankenkarussel teilhaben lassen.


Als ein paar Tage später das Paket ankam und ich die schönen Stoffe endlich in Echt streicheln durfte, war ich begeistert! Besonders gespannt war ich auf den Hanfjersey, denn es war das erste Mal, dass ich einen solchen vernähen durfte. Die Haptik ist so toll! Beim Ajourjersey war ich mir unsicher, ob er wohlmöglich zu dünn sein könnte: zumindest wirkte er auf dem Designfoto auf der Siebenblau-Homepage hauchzart. Doch diese Befürchtung bestätigte sich nicht (dennoch trage ich ein leichtes Unterhemd unter dem Kleid).


Die Stoffe waren so schön, dass ich mich kaum traute sie vorzuwaschen...kennt ihr das? Doch um ein späteres Einlaufen zu verhindern, ist das Vorwaschen natürlich Pflicht. Sicher ist sicher dachte ich mir und trennte die hellen Stoffe von den grün/roten Stoffen. Hui, war ich erleichtert über diese Entscheidung, nachdem ich einen Blick ins Waschbecken warf, wo ich die bunten Stoffe per Hand wusch...da wäre das schöne Weiß hinüber gewesen...gar nicht auszudenken!


Für Kreativlabor Berlin habe ich inzwischen bereits einige Schnitte genäht und bin die ausführlichen Anleitungen, die wirklich keine Fragen offen lassen und reichlich mit Bildern bestückt sind, gewohnt. So war es auch dieses Mal bei Noa.

Dennoch trat ein kleines Problem auf: an der Stelle an der der Ajourjersey auf das Taillenbündchen trifft hat der Jersey unschöne Wellen gebildet. Ich habe zunächst den Rat aus der Gruppe befolgt und den Stoff ganz heiß mit Dampf gebügelt. Das hat schon etwas geholfen, aber noch nicht ausreichend. Nach meinem Gefühl war das Kleid im Obereil etwas zu weit, vermutlich da der Jersey doch verhältnismäßig dünn/leicht ist. Nachdem ich das Kleid in der Taille verschmälert habe, bin ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden!


Was bedeutet für euch eigentlich nachhaltig zu nähen? 

Für mich bedeutet es inzwischen vielerlei. Als ich mit dem Nähen begonnen habe, war das noch kein Thema für mich. Stoffe habe ich einfach nach Farbe/Muster/Gefallen ausgesucht. Spätestens seit der Zusammenarbeit mit Julia von Kreativlabor Berlin wurde das Thema Nachhaltigkeit für mich immer wichtiger. Allein, dass ich mich damit auseinandersetzte und Informationen sammelte, führte zu einem anderen Bewusstsein (durch Wissen). Mittlerweile achte ich auf die Materialzusammensetzung. Ich meide Synthetikfasern und suche nach Alternativen. Statt Fleece aus Synthetik z.B. Baumwollfleece. Ich erweitere Schritt für Schritt mein Wissen über Stoffe, lerne neue Stoffe kennen (wie .B. Lyocell) und woher diese stammen und wie sie gewonnen werden. Dabei wurden auch bereits unberechtigte Vorurteile, die ich gegenüber Viskose hatte, gekippt.

Natürlich ist es besonders toll nachhaltige Bio-Stoffe nach kontrolliert biologischem Anbau (kbA), bestenfalls nach GOTS Standard, also mit fairer Entlohnung der Arbeiter und Gewährleistung sicherer Arbeitsbedingungen zu vernähen. Diese Stoffe sind wertiger, sie haben eine besondere Haptik und eine längere Haltbarkeit und vor allem sind sie umweltverträglicher. Für Menschen mit Hautproblemen sind sie sicher die bessere Wahl, aber auch wenn es darum geht Ressourcen zu schonen, sollte man schauen woher die Stoffe kommen und wie sie sich zusammensetzen. Allerdings sind Bio-Stoffe zugegebenermaßen auch ein Kostenfaktor. Wo ich auch gleich beim nächsten Punkt bin: nachhaltig zu nähen, heißt für mich auch nicht maßlos zu nähen oder gar irgendwelchen Trend hinterherzurennen, sondern auch zu schauen, was gebraucht wird. Dementsprechend kann man sich vielleicht auch mal den teureren und wertigeren (!) Bio Stoff gönnen, wenn man sich etwas einschränkt. Das ist sicher manchmal nicht ganz einfach und soll auch kein Dogma sein! Ich nähe nicht ausschließlich Biostoffe. Sich was das Nähverhalten angeht hin und wieder zu hinterfragen, schärft jedoch schon das Bewusstsein.


Mehr Informationen und Gedankenanstöße zum Thema nachhaltiges Nähen erhaltet ihr z.b. hier:

https://www.kreativlaborberlin.de/nachhaltiges-naehen-wie-laesst-sich-das-umsetzen/

oder auch hier:

https://www.kreativlaborberlin.de/bio-baumwolle-vs-konventionelle-baumwolle-macht-das-wirklich-einen-unterschied/


Schaut euch unbedingt auch die anderen tollen Ergebnisse der Aktion zum nachhaltigen Nähen an:
https://www.kreativlaborberlin.de/herbst-winter-inspirationen/

Hashtag: #nachhaltignähen
Instagram-Verlinkung: @kreativlaborberlin und @siebenblau

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Schnittmuster: Noa von Kreativlabor Berlin
Stoffe: Ajour-Jersey, Hanfjersey Lorbeergrün, bio Jersey mit Schmetterlingsmotiv, rostbrauner Bündchenstoff, Kordel - alles von Siebenblau
Verlinkt: Du für Dich am Donnerstagsew la la

Kommentare:

  1. Ein richtig tolles Kleid hast du dir da geschaffen, die Farben harmonieren so toll! Und seit kurzem denke ich auch über Stoffarten und Herkünfte nach, benötige aber noch Zeit zur Recherche....

    Liebe Grüße,
    Ina

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    1. Hallo Ina,

      dankeschön, ich mag die Farben auch sehr gerne! Nimm dir ruhig Zeit für die Recherche... Ich füge noch einen informativen Link in meinen Beitrag ein.

      Liebe Grüße,
      Janine

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  2. Hey liebe Janine,
    dein Kleid gefällt mir total gut - die Farben stehen dir richtig gut :) Ich würde sagen, trotz Zeitknappheit ist dir das Projekt richtig gut gelungen! :)
    Liebsten Gruß,
    Henrike

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    1. Liebe Henrike,

      danke für dein Kompliment :-) Zeitknappheit hatte ich tatsächlich nur bei der Stoffauswahl, aber die ist ja so wichtig! Fürs Nähen selbst war gut Zeit da.
      Liebe Grüße,
      Janine

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  3. Liebe Janine,
    das Kleid ist wirklich toll geworden. Die Auswahl und Verteilung der Stoffe ist genau richtig. Auch die Fotos lassen richtig schöne Herbststimmung aufkommen :-)
    Deine Gedanken zum nachhaltigen Nähen decken sich zu großen Teilen mit meinen. Ich finde es sehr wichtig, auf die Herkunft zu achten.
    Liebe Grüße, Katrin

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