2019/06/27

Hey, I put my new shoes on...

BY kleineSchneiderin IN , , , 1 comment

...and suddenly everything is right"

-Stimmt, wenn man es geschafft hat und das fertige Paar Schuhe in den Händen hält bzw. an den Füßen trägt, fühlt sich das gut an.


Aber ich will euch nichts vormachen: der Weg dorthin ist nicht einfach. Es ist halt etwas anderes ein einfaches Shirt oder ähnliches zu nähen oder ein Paar Schuhe. Man braucht Geduld (ein Probeschuh ist sehr zu empfehlen!), Muße und ganz genaues Arbeiten.

Das geht schon bei der Vorarbeit los: sprich dem Zuschnitt. Die Schnittteile sowie die jeweile Nahtzugabe müssen penibel auf den Stoff übertragen werden. Achtung bei den Nahtzugaben: je nachdem, ob man die Version mit Außennaht oder mit Innennaht wählt, ist diese beim Außen!Umlauf und bei dem Hackenschutz unterschiedlich. Aufpassen heißt es auch die Schuhseiten nicht im Laufe des Nähens zu verwechseln...hierfür bietet es sich an entweder einen Schuh nach dem anderen zu nähen oder die beiden Stapel getrennt voneinander (und bestenfalls noch auf der linken Stoffseite entsprechend beschriftet) aufzubewahren.



Die beim Nähen schwierigsten Teile waren für mich die Kappe und das Anbringen des Hackenschutzes. Bei der "Futterkappe" bei der der Umlauf nur bis zu der Stelle reicht, bei der Kappe und Schaft aufeinandertreffen, passt der Umlauf nur dann an die Kappe, wenn die Nahtzugabe der Kappe eingeschnitten wird, weil sie sich dann um die Rundung legt. Das gleiche gilt übrigens auch für die Außenkappe. Hier kommt erschwerend hinzu, dass das Leder nicht mit Nadeln gesteckt werden sollte. Die Fixierung mit Textilkleber ist etwas fummelig. Ich habe mich von der Mitte zu den Seiten vorgearbeitet.
Der Hackenschutz, darf vorerst nur im oberen Bereich angenäht werden, da darunter ja noch der Lederumlauf verschwinden soll. Hat man diesen dann festgenäht, heißt es aufpassen, dass die Naht des Hackenschutzes unten 1 cm vor der Kante von Innen/Außenstoff endet, da an an den Außen/Innenstoff später noch die Innensohle angenäht wird.

Die Innensohle wird bei der Version mit Außennaht rechts auf rechts angenäht. Bei der Version mit Innennaht jedoch wird der Schuh umgestülpt und die Sohle links auf rechts angenäht, sodass man, wenn man anschließend in den Schuh reinschaut die Nahtzugabe sieht. Diese wird in dem Fall unter einer noch zu nähenden Einlage (z.B. aus Walk + BW) versteckt.


Das Kleben der Laufsohle an die Brandsohle ist auch nochmal ein Thema...während die Brandsohle ja lediglich mit Textilkleber an die Innensohle geklebt (und bei der Version mit Außennaht genäht) wird, wird die Laufsohle (=die Gummisohle ganz unten) mit Kövulfix Schuhkleber an die Brandsohle geklebt. Hier war es eine Gratwanderung nicht zu wenig und nicht zu viel von dem Kleber aufzutragen. Der zieht auch so fiese Fäden, die auf keinen Fall an den Außenstoff oder die Umrandung des Schuhs kommen sollten, weil man die nicht mehr ab bekommt. Ich hab den Kleber am Rand eher vorsichtig aufgetragen, damit er beim Zusammenpressen von Sohle und Schuh nicht herausquillt. Dann ist zwar wahrscheinlich noch ein Spalt zu sehen, doch den kann man im nachhinein noch v o r s i c h t i g mit dem Kleber auffüllen (mit meinem inzwischen hart gewordenem Pinsel hab ich den Kleber in dem Spalt verteilt). Und auch hier wieder unbedingt darauf achten, dass der Kleber nicht an den Stoff gelangt!

Welches Material wird benötigt?
Für den Außenschuh eignen sich festere Stoffe wie Canvas, Dry Oilskin, Jeans, festes Leinen, (Kunst-)leder...für den Innenschuh ist es eigentlich das gleiche, aber hier sind auch leichtere Baumwollstoffe möglich. An der Kappe und im Bereich der Ösen am Schaft werden Außen- und Innenstoff sowieso mit Vlieseline H250 verstärkt.
Umlauf und Hackenschutz werden aus (Kunst-)Leder genäht, vorzugsweise aus Leder, da dieses robuster ist.  Die Brandsohle, d.h. der zum Fuß zeigende Teil der Sohle, kann z.B. aus Relada (recyceltes Leder) oder Kork sein. Außerdem wird natürlich die Laufsohle benötigt. Plant man mehrere Paare Schuhe lohnt sich der Kauf einer Sohlenplatte.
Weiteres benötigtes Zubehör sind: Textilkleber, Schuhkleber (Kövulfix), Ösen, Vlieseline H250, ggf. eine Lochzange (eine Prym Zange reicht auch). Einen Hammer sollte auch jeder im Haushalt haben.

Das klingt jetzt alles erstmal nach ziemlich viel, aber liest man das sehr ausführliche Ebook von Rabaukowitsch aufmerksam und arbeitet sich schrittchenweise voran, ist die Herausforderung Schuhe durchaus machbar.


Wie ihr schon gelesen habt, gibt es den Schuh mit Außen- oder Innennaht. Einen Kinderschuh habe ich mit Außennaht genäht, die übrigen Schuhe mit Innennaht und für diese schlägt mein Herz. Der Schuh sieht einfach schlanker und sportlicher aus. Außerdem gibt es den Schuh in low oder high cut.

Der Schuh, den ich euch heute zeige, ist low cut und mit Innennaht.

Außenstoff ist ein Dry Oilskin, der Innenstoff und der Zierstreifen ein leichterer Baumwollstoff und die Umrandung sowie Hackenschutz ein Kunstleder - alles von Frau Tulpe.
Der Stoffverbrauch ist relativ gering; Reste lassen sich gut verarbeiten. Wer zuvor schon Taschen genäht hat, hat sicher (Kunst-)Leder und festere Stoffe wie z.B. Canvas im Haus...

Die Brandsohle aus Relada habe ich von Snaply. Der Bogen misst 100 x 70 cm und reicht für viiiiele Paare Schuhe (derzeit auf knapp 10 € reduziert). Die Vibram Laufsohle 4 mm habe ich als Sohlenplatte von Extremtextil (gibt es in unterschiedlichen Größen), ebenso die elastischen Schnürsenkel mit Verschluss. Die Sohlenplatte 35 x 50 cm hat 20 € gekostet und reichte für drei Schuhpaare (Gr. 38, 26 und 30). Plant man nur einen Schuh reicht auch die Sohlenplatte 25 x 35 cm für 11 €. Statt der Kordel sind natürlich auch einfache Schnürsenkel möglich, vielleicht sogar von aussortierten Schuhen?! Ansonsten kosten 2 Verschlüsse für 1 Paar Schuhe 1,20 € und die Kordel 0,60 € je m.


Na, habt ihr auch Lust bekommen euch Barfußschuhe zu nähen? :-)


* Das Schnittmuster wurde mir im Rahmen des Probenähens kostenlos zur Verfügung gestellt

Schnittmuster: Baarfoots von Rabaukowitsch*

Stoff:
  • Außenstoff "Traditional British Oilskin Antique" von Frau Tulpe
  • Innenstoff Maru Dot grün von Frau Tulpe
  • Umrandung Kunstleder aus meiner Restekiste- von Frau Tulpe
  • Vlieseline H250 aus meinem Bestand
  • Walk für die Einlage aus meinem Bestand

Zubehör:

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1 Kommentar:

  1. Anonym27/6/19

    Genial und wirklich schön geworden ... Respekt!

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